Kirchenmusik Vol.1
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CD Fuerstliche Musik

Zu den Komponistinnen und Komponisten und ihren Werken

Wolfgang Amadeus Mozart
(1756 - 1791)
Das Rondo alla turca seiner Sonate für Klavier A-Dur, KV 331, aus dem Jahr 1778 ist auf dieser CD zweimal, zu Beginn und zum Schluss eingespielt auf beiden historischen Hammerflügeln:
Zunächst auf dem Thym-Flügel, dann auf dem Schmahl-Flügel, aus Dokumentationsgründen. Janitscharenmusik war im Nachgang der zahlreichen Türkenkriege beliebtes musikalisches Kompositionskolorit. Mozart versuchte in seinem Rondo alla turca den exotisch anmutenden Klang der Janitscharenkapellen klavieristisch nachzustellen. Viele Hammerflügel der Zeit hatten Registrierungsmöglichkeiten dieser Art, um türkisches Flair in der Musik zu imitieren. Höchst unterschiedlich klingt Mozarts Rondo alla turca auf den hier benutzten beiden Hammerflügeln.
Im Herbst 1790 war Mozart in Regensburg.
Das Regensburger Diarium notiert: Zum Ostenthor herein: Den 25.[9.] Per Posta, Herr Mozart, Kön. Ung. Kapellmeister, s. 2. log. im weiß. Lamm. Das Weiße Lamm war neben der Kaiserherberge Zum Goldenen Kreuz die vornehmste Gaststätte der Freien Reichsstadt. Mozart traf an einem Samstag in Begleitung eines Dieners ein, übernachtete dort und verließ Regensburg vermutlich bereits am nächsten Tag über die Steinerne Brücke Richtung Nürnberg. Er war auf der Durchreise zu den Krönungsfeierlichkeiten Kaiser Leopolds II. in Frankfurt, wo er zwei Tage später eintraf.
Er meldet sich von dort und schildert in einem Brief an sein liebstes, bestes Herzensweibchen seine Reiseeindrücke: …Die Reise war sehr angenehm; wir hatten bis auf einen einzigen Tag schönes Wetter - und dieser einzige Tag verursachte uns keine Unbequemlichkeit, weil mein Wagen (ich möchte ihm ein Busserl geben) herrlich ist. In Regensburg speisten wir prächtig zu Mittag, hatten eine göttliche Tafel-Musick, eine Englische Bewirthung und einen herrlichen Mosler-Wein…
Mozart hatte während seiner Regensburgvisite sicherlich auch kurz Zeit, im Tempel seiner Freimaurerlogenbrüder Die Wachsende zu den drei Schlüsseln in der Neue-Waag-Gasse vorbeizu-schauen. Zwei Jahre zuvor war dort sein Librettist und Regisseur, Schauspieldirektor Emanuel Schikaneder in diese Loge aufgenommen worden. Ein Jahr nach seinem Besuch in Regensburg erkrankte Mozart und starb 1791 im Alter von 35 Jahren.
Vier Jahre vor Mozart übernachtete Johann Wolfgang von Goethe – über die Steinerne Brücke kommend – im Weißen Lamm. Vier Jahre nach Mozart, 1794, nächtigte Joseph Haydn auf der Durchreise nach London dort. Regensburg war als Regierungssitz des Immerwährenden Reichstages auch für alle musikalischen Größen der Zeit Reiseknotenpunkt.

Markgräfin Wilhelmine von Brandenburg-Bayreuth
(1709 - 1758)
Sie wurde 1709 in Potsdam geboren, war die älteste Tochter des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm II. Ihre Taufpaten waren die am 12. Juli 1709 (zum Dreikönigstreffen) in Potsdam anwesenden Monarchen Friedrich I. von Preußen (Wilhelmines Großvater), Kurfürst August der Starke von Sachsen und König von Polen, sowie Friedrich IV. von Dänemark und Norwegen.
Ursprünglich sollte Wilhelmine von Preußen Königin von England werden, wurde aber durch Heirat Markgräfin von Brandenburg-Bayreuth. Literarische und historische Bedeutung erlangte sie u. a. durch ihre Briefwechsel mit ihrem Lieblingsbruder Friedrich dem Großen - der ein ausgezeichneter Flötist war - und mit Voltaire über philosophische Themen. Ihre Memoiren sind wegen ihrer teils unver-blümten und drastischen Schilderungen des Lebens am preußischen Hof von besonderem kulturhistorischem Wert. Sie sind ein erschütterndes Dokument der Erziehung eines jungen Mädchens im königlichen Elternhaus. Bereits als 8-Jährige musste sie sich der durch die Mutter arrangierten Verlobung mit dem britischen Thronfolger, dem Herzog von Gloucester aus dem Hause Hannover, fügen. Ein Horror-Szenario folgte familiär: Auf Betreiben des Vaters wurden Wilhelmine und ihr Bruder wegen vermeintlicher Aufmüpfigkeit sogar vor ein Kriegsgericht gestellt, dessen Urteil auf lebenslange Festungshaft lautete. Die vom Vater betriebene Verschärfung des Urteils wurde vom Kriegsgericht sogar noch in Tod durch Enthaupten geändert. Die beiden Kinder blieben glück-licherweise davon verschont, trugen jedoch ihr Leben lang schwer am tragischen Schicksal.
Als Kunstmäzenin, Komponistin und Opernintendantin prägte Wilhelmine von Bayreuth das kulturelle Leben der Stadt Bayreuth. Ihre rege Bautätigkeit, bekannt als Bayreuther Rokoko, wird bis heute bewundert, insbesondere das 2012 zum Unesco-Weltkulturerbe erhobene Markgräfliche Opernhaus. Sie betrieb die Gründung einer Universität und der Akademie der freien Künste und Wissenschaften in Bayreuth. Ihre musikalischen Talente entwickelte Wilhelmine zielstrebig, vervollkommnete ihre Fähigkeiten im Cembalo- und Lautenspiel, erlernte Komposition.
Wenige ihrer Werke, darunter die Oper Argenore, sind bisher gefunden. Auch das Concerto per il Cimbalo concertato und Streicher in g-moll wurde erst kürzlich authentisch ediert (Furore-Verlag). Es ist anzunehmen, dass Wilhelmine den Cembalo-Part für sich geschrieben hat und ihn auch selbst musizierte. Von mutigem Charme ist ihre kurze Kadenz im ersten Satz des Concerto.

Franziska Dorothea Lebrun-Danzi
(1756 - 1791)
Ihre Lebensdaten decken sich mit denen Wolfgang Amadeus Mozarts.
Die Tochter des Mannheimer Hofvioloncellisten Innozenz Danzi erhielt ebenso wie ihr Bruder Franz Ignaz Danzi zunächst Gesangsunterricht vom Vater, Kompositionsunterricht von Georg Joseph (Abbé) Vogler. Bereits mit 16 Jahren wurde sie Mitglied der Mannheimer Hofkapelle und gab ihr Debüt als Rosina in L’amore artigiano von Florian Leopold Gassmann in Schwetzingen, dem Sommersitz des Kurfürstenpaares Karl Theodor und Elisabeth Auguste. Im Mai 1778 heiratete sie auf einer Konzert-tournee in London ihren Kollegen Ludwig August Lebrun. Mit der Verlegung der Residenz Karl Theodors zog das junge Ehepaar nach München, wo sie wiederholt im Cuvilliés-Theater auftrat.
An alle damals renommierten Opernhäuser wurde die begnadete Sängerin geholt. Mit 23 Jahren sang sie zur Eröffnung der Mailänder Scala am 3. August 1778 die Partie der Semele in A. Salieris L’Europa riconosciuta. Des großen Erfolges wegen wurde sie daraufhin nach Lucca, Mantua, Neapel, Padua, Verona und Vicenza engagiert, gastierte in Paris, London, Wien, Prag, München und Berlin, wurde in ganz Europa enthusiastisch gefeiert. Sie gehörte zu den führenden Sopranistinnen des späten 18. Jahrhunderts. Die Memoires secrets lobten anlässlich ihres Pariser Gastspiels ihren mühelosen Stimmumfang von nahezu drei Oktaven bis zu a3, ihre hohe Kunstfertigkeit und ihre zu Tränen rührende stimmliche Sensibilität. Besonders gerühmt wurde die perfekt aufeinander abgestimmte instrumentale und vokale Artistik des Ehepaares Lebrun, wobei Franziska Lebrun mit ihrer speziellen Gesangstechnik die Stimmführung und Klangfarbe der von ihrem Mann gespielten Oboe perfekt imitieren konnte. Zahlreiche Komponisten zollten diesem Können Tribut und schrieben Arien mit obligater Oboe, wie etwa Ignaz Holzbauer in Günther von Schwarzburg oder Abbé Vogler in Castore e Polluce. Charles Burney, englischer Musikhistoriker, notierte über die Auftritte des Paares: Franziska Danzi and the excellent oboist Lebrun usually travel together, and it seems as though she has listened to nothing other than his instrument, for when they perform together in thirds and sixths one cannot hear which is the upper or the lower voice.
Franziska Lebrun (Le Brun) zählte zu den anerkannten Komponistinnen ihrer Zeit. Von ihren Werken haben sich jedoch nur wenige erhalten, darunter die auf dieser CD eingespielte Sonate für Klavier und Violine A-Dur aus Six Sonatas for the Harpsichord or Piano Forte with an Accompagniment for a Violin [London, 1782] op. 2, hier aufgezeichnet mit dem Thym-Hammerflügel als Live-Mitschnitt und arrangiert (Udo Klotz) für Violine, Violoncello und Klavier.
Das Regensburger Diarium vermeldet am 9.11.1790: Zum Weih St. Peter Thor herein:[9.11.] Per Posta, Hr. Lebraini [lies: Lebrun], Churpfalzbairischer Kammermusikus, s. 3. paß. durch.
Das Regensburger Diarium verzeichnet drei Tage später, am 12.11.1790: Zum Jakoberthor herein: Den 12. [11.] Per Kutsche, Mad. Danzy, Churfüstl. Hofsängerin von München, s. 2. log. bei der Frau Strohmeyerin. Ludwig August Lebrun traf sich hier mit seiner Frau Franziska Dorothea für eine Konzertreise nach Berlin, wo er wengge Wochen später verstarb. Aus Gram über seinen Tod erkrankte sie und starb wenige Monate später ebenfalls in Berlin. Sie wurde, wie Mozart, 35 Jahre alt. Es ist zu vermuten, dass das Ehepaar auch im Regensburg des Immerwährenden Reichstages seine hohe musikalische Kunstfertigkeit hören ließ, event. im Goldenen Kreuz, dem damals repräsentativen Konzertsaal der Stadt.

Karl Alexander von Thurn und Taxis
(1770 - 1827)
Die Deux Angloises, Englische Tänze, für Tasteninstrument, von Karl Alexander von Thurn und Taxis, wurden hier zweimal eingespielt. Die Apartheit der Klangfarben des Thym-Hammerflügels von 1820 und des Schmahl-Hammerflügels von 1812 überzeugt auf unterschiedliche Weise.
Als weitere Kompositionen sind von Karl Alexander eine Sinfonie für Orchester und eine Sonate für Klavier bekannt.
Karl Alexander von Thurn und Taxis, Sohn von Karl Anselm, war der fünfte Fürst des Hauses. Bereits ab 1797 war er als Nachfolger seines kränkelnden Vaters Prinzipalkommissar beim Immerwäh-renden Reichstag zu Regensburg. Er bekleidete dieses Amt als letzter Prinzipalkommissar bis zur Auflösung dieser Institution im Jahr 1806, dem Ende des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. 1805 hatte er nach dem Tod seines Vaters nominell auch die Funktion des Generalerb-postmeisters der Kaiserlichen Reichspost übernommen, die mit der Niederlegung der Kaiserkrone durch Franz II. ihr offizielles Ende nahm. Nach der Mediatisierung aufgrund der Reinbundakte vom 12. Juli 1806 (Paris) konnte Karl Alexander zunächst die Thurn-und-Taxis-Post als privates Postunter-nehmen weiterführen.
Als typische Sozietäten der Aufklärungszeit galten auch die Freimaurerlogen. Das kulturelle Leben dieser Zeit in Regensburg war von den für die Zeit so typischen Lese-Zirkeln geprägt, zu denen im engeren Sinn auch die Freimaurerlogen zählten. Fürst Carl Anselm hatte zunächst die erste Freimau-rerloge Regensburgs installiert. Sie war - französisch inspiriert - von ihrem Stifter zunächst für das adelige Hofpersonal gedacht. Das infolge der Aufklärung erstarkte Bürgertum und das liberale Klima in der Stadt - auch geprägt durch die Gesandten zahlreicher Fürstentümer beim Immerwährenden Reichstag - führte 1767 zur Gründung einer weiteren Freimaurerloge: Die Wachsende zu den drei Schlüsseln. Karl Alexander war der zweite Großmeister dieser Loge, die 1805 ihm zu Ehren als Carl zu den drei Schlüsseln benannt wurde. Nachdem Regensburg 1810 an Bayern fiel, waren die Logen, so auch die Regensburger, von den Verboten der Regierung betroffen.
Die Anti-Freimaurer-Gesetze forderten ihre Auflösung.

Marianna Martinez
(1744 - 1812)
Die hoch angesehene Cembalistin und Sängerin reüssierte auch als Komponistin.
Zwei Werke für Klavier sind hier eingespielt: Zunächst die Sonata da Cimbalo A-Dur (vor 1769) mit den Sätzen Allegro – Rondo. Cantabile - Tempo di Minuetto auf dem Thym-Hammerflügel, dann die Sonata da Cimbalo G-Dur (vor 1769) mit den Sätzen Allegro brillante - Andante auf dem Schmahl-Hammerflügel. Cimbalo meint hier ganz im Sinne der Zeit die gebräuchlichen Tasteninstrumente, also Cembalo oder Clavichord (das Mozart auf seinen Reisen schätzte), aber auch Clavier bzw. Fortepiano oder Piano Forte.
Marianna Martinez genoss als Tochter des Zeremonienmeisters des päpstlichen Nuntius in Wien eine außergewöhnlich qualitätvolle Erziehung. Dank seiner bevorzugten Stellung in diplomatischen Kreisen Wiens, konnte ihr Vater, den Kaiserin Maria Theresia zum Ritter geschlagen hatte, seiner Tochter den besten Unterricht verschaffen:
Pietro Metastasio (1698 – 1782) unterrichtete sie in Musik, Literatur und Sprachen. Der italienische Dichter und Librettist, Hofdichter von Kaiser Karl VI., unterrichtete die junge Marianna in seinem Haus, in dem auch die Familie Martinez wohnte, aber auch - bei freier Kost - der junge Joseph Haydn (1732 – 1809), der sie ab ihrem 10. Lebensjahr täglich im Klavier unterrichte
Entscheidende Kenntnis in musikalischen Dingen vermittelten ihr außerdem die Musiker Nicola Porpora (1686 – 1768) und Johann Adolph Hasse (1699 - 1783). Metastasio wachte als väterlicher Gönner nahezu drei Jahrzehnte über die Erziehung Mariannas, die auch zahlreiche seiner italie-nischen und lateinischen Texte vertonte. Als Metastasio 1782 starb, setzte er Marianna und ihre Geschwister als Erben seines beträchtlichen Vermögens ein. 1790 investierte sie einen Großteil davon in die Gründung einer Gesangsschule zur Musikausbildung junger Sängerinnen. Über Metastasio, Porpora, Hasse, Haydn und Padre Martini bekam sie sehr früh Kontakt zu diplomatischen Kreisen und zu einflussreichen Persönlichkeiten in Politik, Kultur und Gesellschaft. 1761 hatte Marianna Martinez - 17-jährig - als Komponistin mit einer Messe in der Wiener Hofkirche St. Michael debütiert.
Kaiserin Maria Theresia lud sie des öfteren als Cembalistin und Sängerin an ihren Hof ein.
Padre Giovanni Battista Martini (1706 – 1784) würdigte die ihm zugesandten Kompositionen und schlug Marianna Martinez zur Aufnahme in die von ihm begründete Accademia Filarmonica di Bologna vor. 1773 wurde sie dort als erste Frau in diesen musikalischen Olymp aufgenommen. In der Aufnah-meprüfung musste sie eine Antiphon für vier Stimmen verfertigen.
Belobigt wurden in der Beurteilung ihrer Arbeit … die Zierlichkeit, das Genie, die erstaunliche Präzision ihrer Komposition …

Johann Friedrich Hugo von Dalberg
(1760 - 1812)
Karl Theodor von Dalberg, Fürstprimas, Erzbischof, Kurfürst von Mainz, Großherzog und Erbauer des Regensburger Dalberg-Palais, des heutigen Hauses der Musik in Regensburg, hat selbst keine Kompositionen hinterlassen. Wohl aber sein jüngster Bruder, Freiherr Johann Friedrich Hugo von Dalberg. Er war Domkapitular in den Erzbistümern Trier, Speyer und Worms. Er zeichnete sich als Pianist und vielseitiger Komponist aus, aber auch als Schriftsteller, insbesondere auch als Musik-schriftsteller.
Wir dürfen davon ausgehen, dass auch er in Regensburg, in der Freien Reichsstadt des Immer-währenden Reichstages, bei seinem Bruder Karl Theodor zu Besuch war und das Flair der aufzie-henden Aufklärung in dieser Stadt studierte.
Johann Friedrich Hugo von Dalberg, der sich selbst Freiherr Fritz von Dalberg nannte, komponierte Sonaten für Klavier und klavierbegleitete Kunstlieder. Als Hommage für Fürstprimas Karl Theodor, den Erbauer des Dalberg-Palais, des heutigen Hauses der Musik, in dessen Ausstellungsraum nun der restaurierte, historische Hammerflügel von Anton Martin Thym steht, erklingen auf dieser CD die VIII Variazioni [sic] per il Forte Piano, Es-Dur, Allegro non tanto con variazioni. Die Variationenfolge geht von einem fast rokokohaft verspielten Thema aus, das in der Folge der acht Variationen klassisch virtuos mit außergewöhnlichen klavieristischen Finessen durchgearbeitet wird

Udo Klotz

 
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