Kirchenmusik Vol.1
StartseiteBilderReinhörenKomponistenKünstlerKaufenVeranstaltungenPresse
RME Motiv

Zum Komponisten

Heinrich Simbriger
(1903 - 1976)
Heinrich Simbriger wurde am 4. Januar 1903 in Aussig an der Elbe geboren. Sein Vater Friedrich Simbriger war dort als Zahnarzt tätig. Seine Mutter, die Malerin und Sängerin Maria Rosa Kozelli, verstarb bereits am 17. November 1903; Heinrich war gerade zehn Monate alt. Er besuchte in Aussig die Evangelische Volksschule und die Staatsrealschule. 1911 begann er mit Klavierunterricht, ab 1915 entstanden erste Kompositionsversuche. Das Reifezeugnis von 1920 erklärte ihn „zum Besuche einer technischen Hochschule für reif mit Auszeichnung“.
Im Herbst 1920 ging Simbriger nach Prag und holte am Deutschen Staatsgymnasium das Große Latinum nach, dann begann er an der Deutschen Universität Medizin zu studieren, da er die väterliche Praxis übernehmen sollte. Nach zwei Semestern wechselte er zu Germanistik, Kunstgeschichte sowie Musikgeschichte und wandte sich schließlich der absoluten Philosophie zu. Parallel dazu studierte er an der Deutschen Akademie für Musik und darstellende Kunst 1921 – 1924 Komposition bei Fidelio F. Finke und Dirigieren bei Alexander von Zemlinsky.
Die Anstrengungen dieses doppelten Weges untergruben seine Gesundheit, er musste daher 1924/25 seine Studien unterbrechen. Nach der Behandlung eines Lungenleidens hielt er sich ab Oktober 1924 in Süditalien und auf Capri auf. Im September 1925 kehrte er nach Deutschland zurück und führte in München 1925 – 1927 seine Studien mit Komposition bei Joseph Haas weiter.
Die folgenden zehn Jahre sollten für Heinrich Simbriger eine entscheidende Periode werden. Im Oktober 1927 wechselte er nach Wien. Er lebte dort als freischaffender Komponist und Theorielehrer. Bei Josef Matthias Hauer studierte er Zwölftonmusik und bei Josef Lechthaler Kirchenmusik. Der Komponist erlebte also eine vielfach anregende Zeit, in der nebenzahlreichen kleineren Werken auch seine beiden Opern So ein freier Junggeselle und Judith entstanden. In seinem Universitätsstudium widmete Simbriger sich in Wien ab Oktober 1933 den Fächern Völkerkunde, Musikwissenschaft und Philosophie, er beendete es im Sommer 1936. 1937 wurde er zum Dr. phil. promoviert.
Am 1. Juli 1937 kehrte Heinrich Simbriger von Wien nach Prag zurück und übernahm dort die Leitung der musikalischen Abteilung des im Aufbau befindlichen deutschsprachigen Senders Prag-Melnik. Die politische Entwicklung und der nachfolgende Einmarsch der deutschen Truppen in die Tschechoslowakei 1938 setzten dieser Tätigkeit ein allzu frühes Ende. Daher zog er sich nach Aussig zurück und arbeitete als freischaffender Komponist.
Als der Krieg ausbrach, meldete Simbriger sich für den höheren Schuldienst und unterrichtete von März 1940 bis Mai 1943 als Angestellter an der Staatlichen Oberschule für Jungen in Tetschen-Bodenbach. Bereits im Februar 1943 hatte er einen Großteil seiner Werke bei seinem Vater in Hall in Tirol eingelagert und so ihren möglichen Verlust verhindert. Am 17. Mai 1943 wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Am 2. August 1943 heiratete er Erna Kammermayer. Im November 1943 erhielt er den „Gau-Musikpreis“. Zu dieser Zeit war er bereits in Nordnorwegen eingesetzt.
Im Juni 1945 geriet er in Gefangenschaft, von November 1945 bis Mai 1946 befand er sich im französischen Kriegsgefangenenlager Rennes.
Nach seiner Entlassung konnte er in Murnau in Oberbayern seine Familie wiederfinden. Es folgten harte, aber auch sehr inhaltsreiche Jahre. Simbriger schrieb mehrere Bücher, zahlreiche Aufsätze und Vorträge und er entwickelte seine Theorie der „Komplementären Harmonik“.
Im Dezember 1951 zog er nach München um. Dort arbeitete er 1952/53 für die Redaktion der Sudetendeutschen Zeitung. Anschließend war er als freischaffender Komponist, Wissenschaftler und Musikschriftsteller tätig. Für sein kompositorisches Werk wurde Simbriger 1955 mit einem „Fördererpreis“ (sic!) des Sudetendeutschen Kulturpreises der Sudetendeutschen Landsmannschaft ausgezeichnet.
Um den Lebensunterhalt für seine Frau und sich selbst zu sichern, ließ er sich von 1956 bis 1963 am Bayerischen Statistischen Landesamt anstellen. Ab Januar 1964 war er hauptberuflich für die Künstlergilde Esslingen tätig, ab 1966 lebte er in Regensburg und baute hier ihr Musikarchiv auf.
Am 16. Juli 1976 ist er in Regensburg verstorben.

Der Komponist Heinrich Simbriger hat 160 Werke vorgelegt, unter denen die Kammermusik deutlich im Vordergrund steht. Klavierwerke sowie Liederzyklen mit unterschiedlichen Begleitungen bilden die weiteren Schwerpunkte. Nur ein Bruchteil wurde gedruckt. In späteren Jahren hat er sehr viele Werke revidiert, manche auch ausgeschieden. Heinrich Simbrigers „Karriere“ wurde wie die vieler Menschen seiner Generation und seiner Volksgruppe durch das „Dritte Reich“ zwar nicht physisch, aber durch die politischen Konsequenzen praktisch vernichtet. Viele Bewerbungen blieben trotz bester Referenzen ohne Erfolg. Befriedigen konnten ihn nur seine eigene Arbeit und sein förderndes Handeln für die ostdeutschen Kollegen innerhalb der Künstlergilde.

Thomas Emmerig


 
Zur Startseite
Kontakt und
                Impressum
Stadt
              Regensburg